Theater-Kritik: „Tonight: Fraktus“ am Thalia-Theater Hamburg

Tja, was darf man von einem Theaterabend erwarten, der maßgeblich von „Studio Braun“ gestaltet wird? Auf jeden Fall kein 08/15-Regietheater oder eine pseudointellektuelle Fleißübung. Stattdessen bieten Rocko Schamoni, Jaques Palminger und Heinz Strunk jede Menge Ironie und Dilettantismus, gepresst in eine als Farce getarnte Rahmenhandlung. Dass das Konzept wieder einmal aufgeht, ist diesmal vor allem dem Ensemble des Thalia-Theaters in Hamburg zu verdanken.

Die Kleinen sind die Dummen

„Tonight: Fraktus“ handelt in der ersten Hälfte des Abends von einer Gruppe abgestumpfter Roadies, die für Fraktus, die beste Elektroband der Welt, die es nie gegeben hat, das Set aufbauen sollen. Vorarbeiter Jack (Julian Greis schwäbelt, dass die Schwarte kracht) zeichnet sich durch ein überzogenes Sicherheitsdenken aus und dadurch, schwächere Untergebene wie Roadie Dennis (genial: Jörg Pohl) zu piesacken. Doch auch Jacks „Macht“ ist begrenzt; er findet seine Meisterin in der komplett überdrehten Bandmanagerin Fritzi von Salm (Lisa Hagmeister), die allen mit ihren Marotten auf den Geist geht. In die Aufbauarbeiten platzt die Meldung, dass sich die „Stars“ von Fraktus wegen eines Autounfalls verspäten. Das bringt den Zeitplan komplett durcheinander, was dazu führt, dass das als Vorgruppe gebuchte Electro-Duo „Thrill“ unter großem Gezeter einfach mal eben aus dem Programm gestrichen wird.

Fraktus: Abgebrühte Möchtegern-Legenden

Stattdessen erscheinen Fraktus auf der Bühne – um zunächst für Merchandising-Produkte zu werben. Neben einem total beknackten Bananenmesser und einer noch bescheuerteren Blockflöte für Motorradfahrer haben die Drei einen echten Knaller im Angebot: das Computerspiel „Smirkey‘s Dope House“, einen Pacman-Klon, bei dem man sich so schnell wie möglich mit Drogen zudröhnen muss und das von Roadie Dennis sofort ausprobiert wird. Das Spielerlebnis versetzt ihn in Trance, was zu einer surrealen, für die Handlung unnötigen und deshalb vom Publikum wohl als Zeitschinderei wahrgenommenen Ballett-Einlage führt. Anschließend geht alles ganz schnell: Fraktus ziehen ihr Programm durch, spielen sechs knackige Songs (neues Material) – das war‘s.

Fazit

„Tonight: Fraktus“ ist als Parodie auf den irren Musikbetrieb konzipiert. Gezeigt wird, dass viele arme kleine Würstchen die Arbeit machen und die Stars den Ruhm ernten. Dabei machen es sich Schamoni, Palminger und Strunk diesmal selber sehr leicht, setzen sie doch ganz auf das großartige Ensemble des Thalia Theaters, um erst nach etwa 35 Minuten selber die Bühne zu entern und dann ein routiniertes Set herunterzuspielen – als Parodie in der Parodie sozusagen. Auffällig: Die an diesem Abend (4.5.2014) auffällig schlechte Laune von Heinz Strunk. War sie nur gespielt oder war er mit der Inszenierung unzufrieden?

Im Vergleich zu den Studio-Braun-Klassikern „Dorfpunks“ und „Fleisch ist mein Gemüse“ ist „Tonight: Fraktus“ sicherlich die schwächste Produktion. Gleichwohl sorgt sie für zahlreiche Lacher und bietet für Fans treibender Elektronik auch noch sechs neue, sehr genial-doofe Fraktus-Songs. Von mir gibt es ein „Daumen hoch“!

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