Meine Mutter (70+) besitzt seit Neuestem einen Computer. Es hat lange gedauert und viel Überredungskunst gekostet, aber nun steht ein gutes (gebrauchtes) Notebook im Wohnzimmer. Demnächst steht die Verbindung mit dem Internet und eine E-Mail-Adresse hat sie auch schon. Bis dahin wird kräftig Gesang geübt; iTunes und eine entsprechende CD mit Begleitmusik machen es möglich. Willkommen in der Gegenwart! Ob sie sich auch an soziale Netzwerke wie Facebook herantraut – ungewiss.
Als ich meine Mutter nun letzte Woche so an ihrem Notebook werkeln sah, dachte ich darüber nach, wie wir, die wir mit PC, Internet & Co. aufwuchsen, wohl unseren Lebensabend bestreiten werden. Viele aus meiner Generation (Jahrgang 1965) sind bei Facebook, Twitter & Co. aktiv und permanent via E-Mail, Smartphone und SMS erreichbar. Man tauscht nicht nur Nachrichten aus, sondern verschickt auch Fotos und Filmchen oder nutzt Skype für ein Videotelefonat. Wer mag, lässt so Verwandte und Bekannte laufend an seinem Alltag teilnehmen.
Wie ist die Situation heute? Viele alte Menschen tun sich immer noch schwer, wenn es um die Nutzung von neuen Medien geht. Ihnen reicht häufig der Fernseher und das Telefon. Wer Bilder zeigen möchte, steckt sie in einen Briefumschlag und verschickt sie. “Computer, Handy, Internet? – Brauche ich nicht” – so hört man es immer wieder. Wer sich trotzdem an die Technik wagt, entdeckt, welche Möglichkeiten sich heute bieten.
Ich bin gespannt, wie unsere Generationen im Alter mit sozialen Netzwerken, E-Mails und dem weltweiten Datennetz umgehen. Werden wir sie als festen Bestandteil unserer Alltags-Kommunikation auch weiter so intensiv nutzen, wenn unsere Finger zittern und der Kopf vielleicht auch nicht mehr so fit ist? Auf jeden Fall bin ich davon überzeugt, dass die Bindung an Mitmenschen auch im Alter dank moderner Technik eine qualitativ hochwertigere sein wird als heute. Ich hoffe, dass meine Mutter diese Erfahrung auch noch macht. Der erste Schritt ist ja getan.