Apartimentum: Was man zeigt, wenn man nichts zu zeigen hat

Es gibt Pressetermine, die platzen förmlich aus allen Nähten: Hersteller oder Kunde oder Werauchimmer packen dann jede Menge in 60 oder 90 Minuten, Schlag auf Schlag geht es und man kommt überhaupt nicht mehr hinterher mit Notieren, Fotografieren, Zuhören. Und dann gibt es Pressetermine, die auf dem Papier der Kracher sind, sich dann aber eher als Papiertiger entpuppen. Termine, zu denen man mit falschen Versprechungen gelockt wird und bei denen dann so recht nichts klappen will. Wie im Apartimentum.

Apartimentum: Fertig oder nicht – kommt auf die Perspektive an

Ein „gutes“ Beispiel für solch einen missglückten Termin fand am 15. April in Hamburg statt. Pressevertreter waren eingeladen, um sich das „fertige“ (O-Ton Einladung) Apartimentum anzuschauen. Das Apartimentum ist ein Luxus-Altbau in bester Hamburger Lage, in den der IT-Unternehmer Lars Hinrichs (erfand das Business-Netzwerk Xing) 42 Top-Appartements einbauen lässt. Die will er dann auf Zeit vermieten – für Wochen, Monate oder wenige Jahre. Zielgruppe sind die sogenannten Expats, also Leute, die nur temporär in einer Stadt leben und dann weiterziehen. Die Wohnungen bieten zahlreiche Besonderheiten: Der Mieter zahlt eine Flatrate (beginnt bei 4.000 Euro/Monat) und muss sich um nichts kümmern: Strom, Wasser, Verwaltung, Reinigung, Müllentsorgung, Internet sind in der Flat enthalten. Man muss nur Bett und Sofa mitbringen, schwärmt Hinrichs. Alles andere ist eingebaut und kann sofort benutzt werden. Ankommen, Koffer auspacken – fertig.

Lars Hinrichs im Apartimentum

Lars Hinrichs zeigt einen Rohbau – großes Kino.

Apartimentum: Bis auf LTE geht noch nichts

Das – zugegeben – interessante Projekt bietet aber noch mehr: Das Apartimentum ist ein smartes Haus. Alles ist mit Allem vernetzt, die „Bedienung“ der Wohnung erfolgt per Smartphone. Statt Türschlösser gibt es Sensoren, die den Bewohner erkennen und die Türen öffnen; der Fahrstuhl „weiß“, dass man im dritten Stock wohnt und hält automatisch dort; schmort im Herd der Sonntagsbraten, wird automatisch die Heizung reguliert und die Belüftung erhöht. Im ganzen Haus gibt es Top-LTE-Empfang und 100 Kilometer feinste Glasfaser- und Ethernet-Kabel sorgen dafür, dass alles rund um die Uhr mit Highspeed funktioniert. Klingt großartig, oder? Ist es bestimmt auch – irgendwann.

Denn mit dem Funktionieren war das im Rahmen des Pressetermins so eine Sache: Bis auf einen smarten Thermostaten der Firma Nest funktionierte irgendwie nichts. Denn die Wohnungen sind alle nicht fertig; selbst die als „fertige“ Wohnung adressierten Räumen boten außer Parkett, verputzten Wänden, einem Bad und einem Küchenblock nichts. Smarte Soundanlage – Fehlanzeige. Die smarten Wohnungstüren – verpackt und nicht funktionstüchtig. Die iPad-Bedienung in allen Räumen – ohne Tablet nicht möglich. Zu sehen gab es dafür eine Abstellkammer, in der die Server laufen sollen und in der man Herrn Hinrichs mitsamt Kabeln fotografieren konnte. Immerhin.

Hauptsache, wir reden drüber

Was zeigt man also, wenn man eigentlich nicht viel zu zeigen hat? Man zeigt Haltung – und spricht darüber. Endlose Monologe, wie toll mal alles wird. Wie großartig die Technik ist. Wie sehr die deutschen Gesetze die Branche hemmen. Und dass der Datenschutz überhaupt das Schlimmste ist, was der IT-Branche so widerfahren konnte, denn der Datenschutz ist ein echter Killer. Sagt Lars Hinrichs. Sekundiert wird er von zwei Herren vom BVDW. Der macht Lobbyarbeit für IT-Unternehmen und heizt unserer schnarchigen Politik so richtig ein – vor allem mit sattsam bekannten Statements aus der PR-Mottenkiste.

Dass es sich aber bei dem angeblich fertigen Apartimentum weiterhin um ein schwer im Bau befindlichen Komplex handelt, in dem nichts wirklich fertig, war schon enttäuschend. Aber auch bezeichnend. Wie so oft gab es viel Gerede und wenige Fakten. Genau das, was Lars Hinrichs laut eigener Aussage eigentlich nicht mag. Und so hat man die Journalisten und Experten und wer sonst noch alles da war, unterm Strich eigentlich durch ein halbfertiges, staubiges Haus geführt und dabei viel gesagt und (fast) nichts gezeigt.

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