Nur mal so …

Es war einmal ein Mann, der in einem kleinen Haus am Ufer des Flusses lebte. Eines Tages hörte er im Radio die Durchsage, dass der Fluss anschwellen und es zu Überschwemmungen kommen könnte und dass sich alle Bewohner in der Umgebung in Sicherheit bringen sollten. Doch der Mann missachtete die Durchsage und sagte zu sich: “Ich bete jeden Tag zu Gott und Gott wird mich retten.”

Der Fluss schwoll an und überflutete die Straßen und das Haus. Da kam ein Ruderboot an dem Haus vorbei, und der Ruderer rief dem Mann, der auf seinem Dach saß, zu: “Los, spring’ in mein Boot, ich rette Dich.” Doch der Mann lehnte ab und sagte nur: “Fahr’ weiter, ich warte auf Gott, denn ich glaube an ihn und Gott wird mich retten.”

Kurze Zeit später kam ein Hubschrauber geflogen. Der Pilot zückte ein Megaphon und rief: “Ich lasse eine Leiter zu Ihnen hinunter und rette Sie.” Aber der Mann schüttelte nur den Kopf und sagte: “Fliegen Sie weiter, ich warte auf Gott, denn ich glaube an ihn und Gott wird mich retten.”

Das Wasser stieg weiter und als sich der Mann nicht mehr auf seinem Dach halten konnte, ertrank er. Am Himmelstor verlangte er, mit Gott zu sprechen. Und er wurde zum Allmächtigen vorgelassen.

“Gott”, sagte der Mann verzweifelt, “ich bin ein gläubiger Mensch und habe immer zu Dir gebetet. Warum hast Du mich nicht gerettet?” Und Gott antwortete: “Ich habe Dir eine Radiodurchsage, ein Ruderboot und einen Hubschrauber geschickt. Was in aller Welt hast Du jetzt hier zu suchen?”

(Die Geschichte stammt nicht von mir, sondern aus der großartigen TV-Serie “The West Wing”. Ein Priester, gespielt von Karl Malden, erzält sie dem US-Präsidenten (Martin Sheen), als dieser darüber entscheiden muss, ob ein zum Tode Verurteilter begnadigt werden soll oder nicht.)

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